Europäische Kommission: Halbleiter – EU-Kommissar Breton bei Infineon in München

Freitag, 02. Juli 2021, 16:42 Uhr
EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton besuchte am 2. Juli den Hauptsitz von Infineon in Neubiberg. Er traf unter anderem Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG. Zentrales Thema war die Steigerung der Produktion von Halbleitern für die Bereiche Mobilität, Energie, Sicherheit und das Internet der Dinge. Zukünftige Investitionen in die Halbleiterproduktion sowie das zweite wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI, Important Projects of Common European Interest) waren Themen des Gesprächs zwischen EU-Binnenmarktkommissar Breton und dem Vorstandsvorsitzenden von Infineon Reinhard Ploss.

"Europa muss seine Halbleiterfertigung stärken. Wie die jüngsten Engpässe gezeigt haben, müssen wir sicherstellen, dass wir in der Lage sind, die Chips herzustellen, die von unseren Industrien, zum Beispiel in der Automobilbranche, benötigt werden. Ebenso wichtig ist es, die Zukunft vorzubereiten, indem wir unsere Versorgungssicherheit bei den modernsten Halbleitern sicherstellen", sagte Breton. Zu diesem Zweck startet die EU-Kommission in Kürze eine Industrieallianz für Halbleitertechnologien, die europäische Akteure zusammenbringen und die Kapazitäten erhöhen soll.

"Es ist sehr wichtig, dass Infineon als wichtiger europäischer Halbleiter-Akteur an der bevorstehenden europäischen Allianz für Halbleiter teilnehmen kann", betonte der Kommissar und ermutigte den Halbleiterhersteller, eng mit Endverbraucher-Unternehmen, wie der Automobilindustrie, zusammenzuarbeiten. "Dies wird die Zusammenarbeit auf EU-Ebene erheblich stärken und sicherstellen, dass wir die globalen Lieferketten von Halbleitern schrittweise wieder ins Gleichgewicht bringen."

"Europa muss heute die Weichen für die Zukunft stellen", sagte Reinhard Ploss. "Infineon begrüßt daher die Initiative von EU-Kommissar Breton, die Chip-Produktion in Europa auszubauen und damit die technologische Souveränität zu stärken. Die Mikroelektronik ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die europäischen Kernindustrien und die Umsetzung unserer Klimaziele. Die Erfolge des neuen IPCEI für Mikroelektronik und Konnektivität werden sich in einem größeren europäischen Beitrag innerhalb der globalen Mikroelektronikindustrie niederschlagen. Die Halbleiter, die in Europa produziert werden, unterstützen Industrien in Europa – und das soll auch so bleiben."

Hintergrund
Die Kommission will den Übergang zu einem grünen, klimaneutralen und digitalen Europa rascher voranbringen. 2020 nahm die Kommission eine neue spezielle Wasserstoffstrategie in Europa an. Sie wird verschiedene Aktionsbereiche zusammenführen – von Forschung und Innovation über Produktion und Infrastruktur bis hin zur internationalen Dimension. In der Strategie wird untersucht, wie die Erzeugung und Nutzung von erneuerbarem Wasserstoff dazu beitragen kann, die EU-Wirtschaft im Einklang mit dem europäischen Grünen Deal kosteneffizient zu dekarbonisieren (und auch zur wirtschaftlichen Erholung nach der COVID-19-Krise beizutragen). Die Europäische Allianz für sauberen Wasserstoff wurde 2020 zusammen mit der Wasserstoffstrategie der EU als Teil der neuen Industriestrategie für Europa ins Leben gerufen.

Dazu hat sie unter anderem im Februar neue europäische Partnerschaften gegründet, für die sie rund 10 Mrd. Euro an Finanzmitteln bereitstellen will, die von den Partnern um mindestens denselben Betrag aufgestockt werden. Unter anderem:
  • eine Partnerschaft für Digitale Schlüsseltechnologien, die den digitalen Wandel in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft, den europäischen Grünen Deal sowie Forschung und Innovation im Hinblick auf die nächste Mikroprozessor-Generation unterstützen soll. Zusammen mit der von 22 Mitgliedstaaten unterzeichneten Erklärung über eine europäische Initiative für Prozessoren und Halbleitertechnologien, einer künftigen Allianz für Mikroelektronik und einem möglichen neuen wichtigen Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) zur Förderung bahnbrechender Innovationen, über das die Mitgliedstaaten derzeit beraten, wird diese neue Partnerschaft dabei helfen, Europa wettbewerbsfähiger und technologisch unabhängiger zu machen.
  • eine Partnerschaft für die Entwicklung und Einführung einer europäischen Wertschöpfungskette für Technologien zur Erzeugung von sauberem Wasserstoff, die zur Verwirklichung der in der EU-Wasserstoffstrategie für ein klimaneutrales Europa festgelegten Unionsziele beitragen wird.
IPCEI sind große grenzüberschreitende Projekte, die bahnbrechende Innovationen in Bereichen ermöglichen sollen, die der Markt allein nicht leisten kann. Dabei geht es darum, die Mitgliedsstaaten zusammenzubringen und öffentliche Mittel zu nutzen, um umfangreiche private Investitionen zu mobilisieren. Ziel ist es, gemeinsam in Europa die großen Herausforderungen anzugehen. Weiterführende Links

https://ec.europa.eu 

Silicon Saxony e.V.

Der Silicon Saxony e. V. ist mit rund 350 Mitgliedern das größte Hightechnetzwerk Sachsens und eines der größten Mikroelektronik- und IT-Cluster Deutschlands sowie Europas. Als eigenfinanzierter Verein verbindet Silicon Saxony seit seiner Gründung im Jahr 2000 Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen/Universitäten, Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen sowie branchenrelevante Startups am Wirtschaftsstandort Sachsen und darüber hinaus. Übergeordnete Ziele der Netzwerkarbeit sind u. a. der Ausbau sowie die Stärkung des führenden Mikroelektronikstandortes Europas als auch das Vorantreiben der parallel verlaufenden Entwicklung hin zu einem Softwareland Sachsen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit der sächsischen Landesregierung und den Wirtschaftsförderinstitutionen im Freistaat. In dieser Konstellation unterstützt der Verein auch das regionale Standortmarketing. Der thematische Fokus des Clusters liegt auf den technologischen Trends der Gegenwart und Zukunft – z.B. Künstliche Intelligenz, Robotik, Automatisierung, Internet of Things, Sensorik, Energieeffizienz, Neuromorphes bzw. Edge Computing. Als enger Kooperationspartner des Dresdner Smart Systems Hubs sowie des Leipziger Smart Infrastructure Hubs bietet Silicon Saxony zudem direkten Zugang zu den Themen, Projekten und Standorten der Digital Hub Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums. Als öffentlichkeitswirksame Informations-, Kommunikations- und Kooperationsplattform sowie durch die Teilnahme an und die Organisation von Branchenevents fördert der Verein die regionale, nationale und internationale Vernetzung seiner Mitglieder. Gezielte Lobbyarbeit gewährleistet z.B. die Mitgestaltung von Förderprogrammen - von der lokalen bis zur europäischen Ebene. Experten des Netzwerkes stellen zudem in Arbeitskreisen und weiteren Formaten den Know-how-Transfer sowie enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen den Mitgliedern sicher und treiben Innovationen voran.