Augmented Reality in der Industrie – bald Standard?

Dienstag, 01. Oktober 2019, 12:50 Uhr

Mit einer stetig steigenden Anzahl an AR-Nutzern wird schnell deutlich, dass die oftmals noch sehr futuristisch erscheinende Technologie den Weg in den Alltag gefunden hat. Durch eine Vielzahl von kleinen digitalen Alltagshelfern, wie dem virtuellen Maßband oder 3D-Möbeln zum Platzieren in den eigenen vier Wänden, lassen wir uns nach und nach auf Augmented Reality ein. Teilweise sogar unbewusst verwenden einige die Möglichkeit der erweiterbaren Realität, um für Fotos ihre Gesichter mit neckischen, digitalen Inhalten zu verzieren, um sie daraufhin auf entsprechenden Social Media Plattformen hochzuladen. (Wer mit den Begrifflichkeiten noch nicht ganz zurechtkommt, kann [hier] nachlesen)

Wie soll die Industrie in Zukunft von den Vorteilen profitieren?
Das Überlagern von realen Objekten mit digitalen Informationen bietet viele Möglichkeiten, Prozesse zu gestalten. Egal ob Produktion, Planung, Qualitätskontrolle oder Betrieb – in jedem dieser Bereiche gilt es, Daten möglichst effizient und aktuell darzustellen. Technische Dokumentationen bzw. Handbücher könnten beispielsweise direkt als Schritt-für-Schritt Anleitung auf entsprechenden Bauteilen oder Anlagen erscheinen. Ein Architekt kann mit seinen Kunden im Rohbau des Hauses stehen und das 3D-Modell einer Treppe zur Veranschaulichung in die Realität projizieren.

Super geeignet für Versorger und Gebäudemanagement – aber noch teuer
Ein interessanter Ansatz, mit dem wir uns als GISA beschäftigen, ist das Einblenden von verdeckten Elementen (z.B. Versorgungsleitungen) innerhalb von Gebäuden. Das 3D-Modell eines Leitungsnetzes wird dafür in das Blickfeld des Nutzers übertragen und gibt mittels weiterer Schnittstellen Auskunft über verwendete Bauteile oder Wartungszyklen einzelner Objekte. Im Betrieb von technischen Anlagen bzw. im Facility Management können solche Informationen Arbeitsabläufe effektiver machen. In unserem Fall sollte das Leitungssystem der Schaltanlage eines Umspannwerks mittels Microsoft HoloLens dargestellt werden. Das Problem: Alle Daten bzw. Objekte die dargestellt werden sollen, müssen, um sie produktiv nutzen zu können, in entsprechender Form realitätsgetreu vorhanden sein. An dieser Stelle scheitern momentan noch die meisten Vorhaben. Während die technischen Grundlagen in Form von solide funktionierenden AR-Systemen, Entwicklungsumgebungen und Frameworks gesichert sind, müssen die Informationen, die zur Anzeige gebracht werden sollen, oftmals mühsam erfasst oder anderweitig modelliert werden. Doch auch hier gibt es einen kleinen Lichtblick. Das Voranschreiten des BIM (Building Information Modelling) in dem Prozessdaten jeder Art in einem Modell gesammelt und ausgetauscht werden können, ermöglicht das Erstellen des digitalen Zwillings eines Gebäudes und somit eine solide Datengrundlage. So ist es möglich, die Leitungssysteme eines Gebäudes innerhalb der Bauphase regelmäßig in verschiedenen Stadien zu erfassen und digital abzulegen. Zusätzlich können Innen- und Außenbereiche durch laserbasiertes Indoor Mapping zur einer 3D-Punktwolke transformiert werden, die ebenfalls eine gute Grundlage für AR-Anwendungen bietet. All diese Verfahren zur Datenerhebung sind mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Aber sie bieten auch ein hohes Synergiepotenzial in Bezug auf AR.

Auf was gilt es noch zu achten?
Vergessen Sie nicht die Sicherheitsaspekte und rechtliche Fragen im Umgang mit AR. Müssen Sicherheitshelme in technischen Anlagen getragen werden, können Fahrzeugen unter Verwendung eines entsprechenden Endgeräts noch geführt werden? Hinzu kommen industrielle Vorgaben die erfüllt werden müssen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die junge Technologie zwar extremes Potential in der Umsetzung besitzt, äußere Rahmenbedingungen jedoch großen Einfluss haben.

Fazit
AR wird durch seine Möglichkeiten im industriellen Umfeld ankommen. Dies ist nur möglich, wenn gemeinsame branchenübergreifende Lösungen und Vereinbarungen getroffen werden, die grundlegenden Voraussetzungen für den Einsatz schaffen. Oftmals scheitern Vorhaben an den individuellen Bedingungen und dem Mangel an Daten und nicht an der technischen Realisierung.

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