ERP und APS – Die perfekte Kombination für die Fertigung

Freitag, 27. Oktober 2017, 09:25 Uhr

Autor: Patrick Mathis – Senior Product Manager, Asseco Solutions AG

Produktionsplaner haben es in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 nicht gerade leicht. Die Komplexität der Fertigung steigt immer weiter an. Wo vorher noch eine überschaubare Anzahl Maschinen ihre Arbeit verrichtete, kommt heute eine Vielzahl vernetzter Produktionsumgebungen zum Einsatz. Kunden wollen individuell konfigurierte Produkte direkt vor die Tür geliefert bekommen – und das am liebsten schon morgen. Hinzu kommt noch, dass jedes Jahr neue Anbieter aus Niedriglohnländern auf den Markt strömen und den Preiskampf zusätzlich verstärken. Wie sollen deutsche Mittelständler da noch mithalten?

Glücklicherweise ist die Situation nicht ganz so negativ, wie es zunächst scheint. Die Digitalisierung bringt nicht nur Herausforderungen mit sich, sondern auch neue, innovative Lösungsansätze. Um den Herausforderungen von morgen zu begegnen, stehen deutschen Produktionsunternehmen moderne Technologien zur Verfügung: Intelligente Software-Systeme helfen dabei, die komplexen Maschinen-Netzwerke zu koordinieren und smarte Produktionsstrecken ermöglichen es, individuelle Produktvarianten effizient herzustellen. Synergie ist das Schlüsselwort in dieser neuen Welt. Das perfekte Beispiel für diesen Ansatz ist die Beziehung zwischen APS und ERP-System.

In der Produktionsplanung greifen viele Zahnräder ineinander

Die Feinplanung ist ein wichtiger, aber zugleich auch komplexer Teil der Produktionsplanung. Die optimale Fertigungsreihenfolge hängt von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab, wie zum Beispiel Maschinenauslastung, Personalkapazitäten, Durchlauf- und Rüstzeiten. Diese Berechnungen als Standardfunktion in ein ERP-System einzubetten, würde Preis und Komplexität der Software in die Höhe schnellen lassen. Stattdessen setzen die meisten ERP-Anbieter auf die Integration externer APS-Module. Das ERP-System übernimmt mit der Grobplanung nur noch die langfristig ausgelegten Schritte der Produktionsplanung, indem es die vorhandenen Fertigungsaufträge über einen längeren Planungshorizont verteilt. Die detaillierte Feinplanung wird dagegen an ein APS-System ausgelagert.

Das heißt jedoch nicht, dass APS-Systeme autarke Blackboxes darstellen. Ganz im Gegenteil – Sie sind in hohem Maße von einer soliden Datenbasis abhängig. Das liegt bereits an ihrer grundlegenden Funktionsweise. Die Feinplanung per APS geschieht nämlich mit Hilfe einer Simulation. Die Software bildet die reale Produktionsumgebung nach und spielt alle möglichen Zeitpläne durch. Damit das funktioniert, benötigt das APS-System allerdings perfekte Stammdaten – es muss genau wissen, welcher Auftrag in welcher Geschwindigkeit auf welcher Maschine von welchem Mitarbeiter abgewickelt werden kann. Ohne diese Informationen kann das APS keine exakte Simulation durchführen. Es würde als Ergebnis immer einen Feinplan liefern, der auf ungenauen Annahmen beruht. So ein Plan wäre für Sie als Produktionsplaner von zweifelhaftem Wert, denn Sie wüssten nie, ob er auch wirklich durchführbar ist. Im schlimmsten Fall erkennen Sie erst im laufenden Betrieb, dass Ihre Planung Fehler enthält. Für sich alleine, ohne soliden Dateninput, kann ein APS-System die Feinplanung daher auch nicht adäquat durchführen.

APS und ERP kombinieren – Synergien schaffen

Die Lösung für dieses Dilemma liegt darin, ERP und APS miteinander zu verknüpfen. Beide Systeme gleichen auf diese Weise die Schwächen des anderen aus. Das ERP-System sorgt in dieser Beziehung für die notwendige Datenbasis. Als umfassende Unternehmens-Software ist die ERP-Lösung perfekt dafür geeignet, all die Informationen bereitzustellen, die das APS-System für die Simulation der Produktionsumgebung benötigt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Auftragsdaten
  • Liefertermine
  • Maschinenauslastung
  • Personalkapazitäten
  • Lagerbestände

Allerdings ist das nur ein Teilnutzen. Der wahre Mehrwert eines ERP-Systems liegt nicht in der Datenmenge, sondern in der Datenqualität. Es gibt Ihnen mehr Kontrolle über die Qualität Ihrer Stammdaten und erleichtert die Datenpflege. Sie können so viel leichter sicherstellen, dass Ihre Datenbasis korrekt, vollständig und jederzeit auf dem neusten Stand ist. Natürlich kann ein ERP-System die Datenpflege nicht vollständig automatisieren. Aber es bietet eine Reihe von Funktionen, die Ihren Mitarbeitern diese Aufgabe erleichtern, wie zum Beispiel Warnhinweise bei fehlenden Informationen oder eine Plausibilitätsprüfung bei der Eingabe.

Das APS-System steuert wiederum Funktionalitäten für die Feinplanung bei, die Sie mit einem ERP-System alleine nicht so einfach abdecken können. Das betrifft vor allem die Funktionstiefe. Ein ERP-System muss das Unternehmen in seiner Gesamtheit erfassen. Es benötigt daher eine große Funktionsbreite. Wenn es all diese Bereiche auch noch in kompletter Tiefe behandeln wollte, hätten Sie es mit einem überdimensionierten, komplexen – und nicht zu vergessen auch teurem – Software-Gebilde zu tun, das sich kein wirtschaftlich handelnder Mittelständler anschaffen möchte. Wenn Sie allerdings Ihr ERP-System schlank halten und Funktionen wie die Feinplanung mit einem externen Modul anhängen, habe Sie das Beste aus beiden Welten: Eine effiziente Business-Software, die trotzdem alle nötigen Funktionen in angemessener Tiefe abdeckt. Das ist also der Vorteil, den Sie sich mit einem APS-System dazukaufen: Software-gestützte Feinplanung genau da, wo sie benötigt wird.

Sie sehen also, für sich alleine entfalten weder ERP- noch APS-System ihr wahres Potential. Mit einer autarken Lösung schränken Sie sich lediglich unnötig ein. Erst, wenn Sie beide Systeme miteinander verbinden, erhalten Sie ein wahres Dream-Team für die Fertigung.

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