Wohin entwickelt sich TYPO3?

Montag, 06. März 2017, 16:32 Uhr
Wohin entwickelt sich TYPO3? by admin 06-03-17

Categories: CMS

Welche Neuerungen haben sich die Core-Entwickler für die aktuelle Version von TYPO3 überlegt? Wohin geht es in Sachen Sicherheit und Mobile? Das weiß von Mathias Schreiber, CEO der TYPO3 GmbH. Das Unternehmen wurde im Auftrag der gemeinnützigen Association gegründet, küm­mert sich um den Service bei TYPO3 und treibt die Entwick­lung von TYPO3 als Ganzes voran. Am 4. Mai ist er Keynote-Speaker auf dem von 3m5. veranstalteten TYPO3-Kongress in München.

Welche Neuerungen haben sich die Core-Entwickler für die aktuelle Version von TYPO3 überlegt?
Wohin geht es in Sachen Sicherheit und Mobile? Das weiß von Mathias Schreiber, CEO der TYPO3 GmbH. Das Unternehmen wurde im Auftrag der gemeinnützigen Association gegründet, kümmert sich um den Service bei TYPO3 und treibt die Entwicklung von TYPO3 als Ganzes voran. Am 4. Mai ist er Keynote-Speaker auf dem von 3m5. veranstalteten TYPO3-Kongress in München.

Wohin geht die Zukunft des Content-Management-Systems TYPO3?
Mathias Schreiber: In den Kernfunktionen sind wir gut aufgestellt, hier geht es eher um das Polieren bestehender Features. Wir haben aber viele Prototypen in der Hinterhand. Bei diesen geht es sowohl um Low-Level-Technologie wie Composer und Cloud-Hosting-Themen als auch um Hilfe für Redakteure. Content Management ist heute viel komplexer als noch vor 15 Jahren. Einige Systeme konnten zwar technisch mit der Entwicklung mithalten, aber am Ende des Tages muss es unsere Aufgabe sein, Redakteure in der komplexeren Welt abzuholen. Ein Redakteur muss verstehen, wie der Content sich verhält, und gleichzeitig Tipps und Unterstützung bekommen, um genau diesen Content erfolgreich für das Unternehmen einzusetzen.

Was ist die internationale Strategie von TYPO3?

Diese Strategie entwickeln wir aktuell mit einem Partner, der international Erfahrung hat. Man muss dabei auch betrachten, dass wir bis jetzt im Prinzip nur von der Community getrieben waren – was nichts Schlimmes ist. Eine lokale Community geht aber lokal auf den Markt im eigenen Land ein. Problematisch wird es, wenn diese Anforderungen auf globaler Ebene kollidieren. Zum Glück hatten wir diesen Fall noch nicht. Positiv ist, dass die lokalen Communities sich darüber sehr freuen und mit mehr Passion und Motivation agieren – so soll es sein.

Was unternehmen Sie in Sachen Sicherheit?
Wir legen im TYPO3-Core großen Wert auf Security. Das geht so weit, dass wir die Anforderungen an Web-Security größtenteils übererfüllen, also Bereiche absichern, die laut der Kriterien etwa des Bundesministeriums für Informationssicherheit gar nicht abgesichert sein müssten. Das bringt uns zwar immer mal wieder Streit mit Entwicklern ein, nach dem Motto »früher ging das aber«. Uns ist Security aber so wichtig, dass wir diese Konflikte in Kauf nehmen.
Unser Security-Team arbeitet sehr hart und bekommt dafür eigentlich viel zu selten Blumen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Wir machen einen Security Release und die Agenturen beschweren sich, dass jetzt ein Update gemacht werden muss – verkehrte Welt. Andererseits arbeiten wir mit unseren Cloud-Hosting-Partnern zusammen daran, TYPO3 auf Servern laufen zu lassen, wo es einfach keine Schreibrechte auf den Server gibt. Dies ist natürlich ein unschlagbarer Vorteil, denn selbst wenn jemand, aus welchen Gründen auch immer, an den Server käme, ließen sich dort keinerlei bösartige Änderungen am Sourcecode durchführen.

Welche Strategien gibt es zum Thema Mobile?
Seit der letzten Sprint-Version 8.4 haben wir mit dem komplett responsiven Backend einen massiven Schritt nach vorn gemacht. Spannenderweise bekommt man den technologischen Umbau aber auch auf dem Desktop zu spüren, weil alles einfach schneller lädt. Grundsätzlich wollen wir aber auch in Richtung eines Task-orientierteren Ansatzes entwickeln. Auf mobilen Endgeräten muss hoffentlich niemand richtig Text schreiben – das können Tablets heute doch deutlich besser. Aber selbst wenn Tablets das gut können, bekommen wir ja von Redakteuren das Feedback, dass man dort einfach eine Tastatur haben möchte. Also eine richtige, mit Tastenhub etc. Wir schauen hier eher in die Richtung, welche Aufgaben innerhalb von TYPO3 man denn wirklich on-the-go machen möchte. Aus den Gesprächen mit Redakteuren haben wir bis jetzt das Feedback, dass man mobil eher einfache Ja/Nein-Entscheidungen treffen will, also beispielsweise »diesen News-Artikel freigeben« oder Ähnliches.

Welche Unterstützung wird in Zukunft vom TYPO3-Core bei der Internationalisierung von Webseiten angeboten? Sind hier neue Kernfeatures geplant?
Was Mehrsprachigkeit angeht, stehen wir ja aktuell schon ziemlich gut da. Aber wie so oft gibt es noch genug zu tun, um das Thema zu vereinfachen und Bugs zu beheben. Im Moment gehen zwei Teams auf verschiedene Aspekte der Thematik ein. So ist das eine Team damit beschäftigt, alle notwendigen Use Cases zusammenzutragen und zu verschriftlichen, damit es dann eine Liste gibt, was geht und was nicht. Dies wird Agenturen und auch Endkunden bei der Auswahl eines Systems sicherlich helfen. Darüber hinaus gehen wir gerade in die technische Implementierung und decken zunächst alle von Team A definierten Use Cases mit Tests ab. So können wir sicherstellen, dass wir nicht später Funktionalitäten wieder kaputt machen. Bei abwegigen Edge Cases passiert so etwas schon mal. Auf breiterer Ebene werden wir in Zukunft sicherlich die Sprach-IDs durch echte Locals ablösen und vor allem die Zuweisung einer Sprache zur Pflicht machen. Das ist auch sinnvoll – denn man kann kein Wort schreiben, ohne dass es in einer Sprache ist. Dann geht es nur noch darum, den Redakteur dazu zu bringen, diese Information beim Content abzuspeichern, wobei hier der Aufwand für den Redakteur nicht höher werden dürfte. Dafür gewinnen wir aber nach hinten raus deutlich mehr Flexibilität – gerade auch, was Sprach-Fallbacks betrifft. Das klingt jetzt alles wahnsinnig technisch und leider ist es das auch. Aber mittelfristig sorgen wir für ein konsistenteres System, bei dem jeder Redakteur auch die Zusammenhänge versteht und sich mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann: guten, wertvollen Content zu erzeugen, ohne sich mit lästigen (aber notwendigen) Details befassen zu müssen.

Welche Themen haben Sie bei der TYPO3-Konferenz Ende vorigen Jahres in München in den Fokus gestellt?
Ganz persönlich hauptsächlich den direkten Austausch mit Agenturen und Endkunden. Ich halte es für wichtig, unmittelbar zu verstehen, welche Probleme wir mit TYPO3 lösen müssen, damit unsere Nutzer es einfacher haben. Der Satz dazu im Core-Team ist immer »Nicht raten ..., wissen«.
Ansonsten haben wir viel Zeit darin investiert, unseren Nutzern verständlich zu machen, dass Cloud Hosting nicht nur ein Trend ist, sondern dass man sich mit dem Thema ernsthaft befassen sollte. Sicherlich braucht nicht jeder Cloud Hosting, aber ab einer gewissen Größe und einem gewissen Anspruch an die digitale Präsentation kommt man um Cloud Hosting nicht mehr herum.
Zu guter Letzt wollen wir natürlich möglichst vielen Nutzern den Vorteil der TYPO3 GmbH nahebringen. Wir öffnen ja aktuell völlig neue Märkte und stellen TYPO3 insgesamt deutlich besser und professioneller auf: Die Technologie stimmt wieder, die Bindung zur Community ist da, der Dialog mit Redakteuren auch – so ist der nächste logische Schritt jetzt, das Business rund um TYPO3 zu stärken und so mit einer gesunden Marke in die Zukunft zu gehen.


ZUR PERSON
Mathias Schreiber ist seit Frühjahr 2016 CEO der neu gegründeten TYPO3 GmbH, welche die Entwicklung und Sichtbarkeit von TYPO3 weltweit fördert. 2001 kam er erstmals in Kontakt mit TYPO3 und wurde als Teil von netfielders in die TYPO3- Community eingeführt. Im Jahr 2013 sammelte er Mittel für die 6.2-Version und wurde später als Vollzeit-Product-Owner von der WMDB systems gesponsert. Ursprünglich kommt Mathias Schreiber aus der Werbung und der Musikindustrie. Nachdem er sich in den Musikinstrumentengroßhandel gewagt hatte, zog es ihn Mitte der 1990er Jahre in die Werbebranche. In den wenigen Stunden ohne TYPO3 spielt er Gitarre und lebt mit seiner Frau und seinem Hund in Düsseldorf.

Hinweis: Das Interview wurde zuerst im Dezember 2016 im 3m5. Kundenmagazin <script> veröffentlicht.

 

 


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